Perlhuhn mit Bitterorangen und geröstetem Fenchel

Als mir kürzlich beim Einkauf unbedingt zwei hübsche kleine Perlhühner in den Korb flattern wollten, war sofort klar, was ich damit machen wollte, denn in meiner Küche warteten noch zwei frische Bitterorangen auf einen hoffentlich leckeren Einsatz. Unter der Vielzahl gebookmarkter Rezepte mit Seville oranges war nämlich auch eines von Yotam Ottolengi aus dem Guardian, das mir schon beim ersten Ansehen gut gefallen hatte.

Perlhuhn mit Bitterorangen

Die Zutaten stellten mich nicht unbedingt vor große Probleme, wenn ich auch meinen Bestand an grobkörnigem Senf auffrischen musste – das geht anderen Leuten bisweilen anders 😉

Extrem gut gefällt mir an dem Gericht, dass es im Grunde keine Arbeit macht – ist das bisschen Geschnippel erst mal getan, wandern die Vögelchen erst ein paar Stunden zum Marinieren in den Kühlschrank (hier: auf die zu diesem Zeitpunkt kühlschrankkalte Terrasse), und dann gibt man das Ganze einfach auf ein Blech, schaltet den Ofen an, wirft ggf. (siehe unten) auch die Beilage auf ein zweites Blech in den Ofen, und eine Dreiviertelstunde später kann man essen. So mag ich das.

Das komplizierteste war das Vierteln der Perlhühner, das der Liebste unter etwas Fluchen und Beschaffungswünschen für ein Beil souverän gemeistert hat (und bei der Gelegenheit gleich die Rücken für den nächsten Geflügelfond herausgetrennt).


Perlhuhn mit Bitterorangen und geröstetem Fenchel

nach einem Rezept von Yotam Ottolenghi im Guardian

Ergibt: 4 Portionen

Zutaten

  • 150 Gramm Bitterorangenmarmelade, „medium-cut“ (dickere Schalenstücke)
  • 4 rote Chilischoten, entstielt, längs halbiert (hier: 2 große)
  • 2 1/2 Esslöffel Worcestershiresauce
  • 2 1/2 Esslöffel Sojasauce
  • 60 Gramm grobkörniger Senf
  • 2 Esslöffel Olivenöl
  • Salz
  • 2 Perlhühner, geviertelt
  • 2-3 Bitterorangen, in ca. 2 cm dicken Spalten
  • 700 Gramm Fenchel, in ca. 2 cm dicken Spalten
  • 20 Gramm Rosmarin, Zweige
  • 20 Gramm Salbei, am Stängel

Zubereitung

  1. Die Zutaten von Marmelade bis Salz in einer großen Schüssel miteinander verrühren. Nun die Perlhuhnteile in die Schüssel geben, die Marinade etwas einmassieren. Orangen- und Fenchelstücke sowie die Kräuterzweiglein (ich habe diese einmal zerteilt) mit in die Schüssel geben, alles gründlich durchmischen, und abgedeckt mehrere Stunden im Kühlschrank marinieren lassen.
  2. Den Ofen auf 200°C vorheizen. Die Perlhuhnteile mit der Hautseite nach oben auf ein Blech (tiefe Fettpfanne) legen, die anderen Zutaten darum verteilen, und zum Schluss eventuelle Marinadenreste darübergießen. 35-40 Minuten backen, dabei evtl. zwischendrin einmal mit den Säften vom Blech bepinseln. Aus dem Ofen nehmen und 5 Minuten ruhen lassen, ehe das Essen aufgetragen wird.

Im Begleittext werden Röstkartoffeln als Beilage empfohlen – wir haben dafür kleine Kartöffelchen halbiert und auf einem Blech (mit Öl und Salz) über dem Perlhuhn bei Umluft parallel mitgeröstet.

Da ein Großteil der Aromatik auf der verwendeten Orangenmarmelade basiert (ich habe aus den Ansatzresten meines Vin d’Orange eine medium thick-cut marmalade hergestellt, die hier zum Einsatz kam), lässt sich das Gericht auch ohne frische Pomeranzen machen, dann nimmt man halt (säuerliche) normale Orangen mit in die Marinade. Steht in etwa auch so beim Guardian:

Seville oranges are a cut above other oranges for this recipe, but if you can’t get hold of any, other varieties will do

Die Schalenstückchen aus der Marmelade verwandeln sich zu wohlschmeckenden kleinen orangigen Karamellbits, dem Fenchel tut das Rösten ebenfalls gut, und das Perlhuhn wird ebenso zart und köstlich wie von oben knusprig. Mit der Menge und Schärfe der verwendeten Chilis (bei uns zwei große rote scharfe Peperoni) lässt sich die (hier sehr angenehme, punktuell etwas ausgeprägtere) Schärfe des Gerichtes steuern. Mit zwei Norm-Perlhühnern sind das dann immerhin 4 Keulen und 4 Brustfilets, also durchaus auch noch gute 6 Portionen, wenn man ausreichend Beilagen hat. Ich hatte nur ca. 500 Gramm Fenchel auf dem Blech, mehr hat nicht mehr darauf gepasst, das hätte aber gern mehr sein dürfen (was dann zu den Mengenangaben von Ottolenghi wiederum passt).

Sowohl der Liebste als auch ich waren schon bei den ersten Bissen begeistert – ein super Essen!

9 Comments

  1. Wie passend 🙂 habe gestern beim Einkaufen Perlhuhn Supreme mitgenommen, aber ohne ein passendes Rezept im Hinterkopf zu haben & jetzt seh ich das hier – sehr sehr schön: selbst gemachte Pomeranzenmarmelade hab ich da, Fenchel nur noch ein kleines Stück, aber da findet sich gewiss irgendein Ersatz und noch ein paar allerletzte Bitterorangen liegen hier auch noch rum und warten auf Verwendung – Danke für diese wundervolle Inspiration. Herzlichst Nadja

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